Entschei­dungs­kri­terien zur Nutzung einer Cloud Lösung – Teil 1

In die Bewertung und Auswahl eines den stra­te­gi­schen und finan­zi­ellen Anfor­de­rungen entspre­chenden Cloud Szenarios spielen verschiedene Faktoren ein. Dieser Blog­beitrag stellt ein Framework vor, mit Hilfe dessen Cloud Leis­tungen holis­tisch bewertet und verglichen werden können.

 

  1. Cloud-Computing zur Bewäl­tigung von Informationsfülle

Digi­ta­li­sierung, Internet of Things und Big Data sind nicht nur aktuelle Schlag­worte, sondern tatsächlich drei Facetten ein und desselben tech­no­lo­gi­schen und prozes­sualen Mega­trends, der unsere Fähigkeit, infor­mierte Entschei­dungen zu treffen, heute maßgeblich beein­flusst. Eine nie zuvor dage­wesene Vernetzung und Verflechtung von Infor­ma­ti­ons­flüssen weltweit ermög­licht einer­seits komple­xeste und präzi­seste Analysen. Gleich­zeitig nimmt aber dadurch auch die Varia­bi­lität, Komple­xität und Volumen wie auch die Schnell­le­bigkeit der Daten zu, deren Verar­beitung notwendig ist, um aussa­ge­kräftige Infor­ma­tionen zu erhalten. Die Cloud kann ein geeig­netes Medium sein, die daraus resul­tie­renden gestie­genen Anfor­de­rungen an ein Reporting System effizient bewerk­stel­ligen zu können. Jedoch ist es in der Regel nicht trivial, das geeignete Setup zur Cloud Nutzung zu identifizieren.

  1. Vergleich­barkeit von Cloud Lösungen

Mit zuneh­mender Etablierung von Cloud Lösungen am Markt haben sich grund­sätz­liche Klas­si­fi­zie­rungen von Cloud Szenarien durch­ge­setzt. Bezug­nehmend darauf, welche Ebenen einer System­ar­chi­tektur in der Cloud abge­bildet werden, sprich welchen Service der Anbieter einer Cloud leistet, wird gewöhnlich zwischen Software-as-a-Service (SaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) und Infra­s­t­­ructure-as-a-Service (IaaS) unter­schieden. Als vierter Mode posi­tio­niert sich beispiels­weise unter der der ijk Cloud Platform die SAP HCP DBaaS als Database-as-a-Service (DBaaS), in dem die Datenbank durch den Anbieter bereit­ge­stellt und gewartet wird. Unab­hängig davon, welche System­ebene durch die Cloud bedient wird, kann dies in verschie­denen Deployment Modes geschehen, wo übli­cher­weise zwischen einem privaten, öffent­lichen oder hybriden Cloud Setup diffe­ren­ziert wird. Verstärkt werden außerdem auch immer häufiger Community Clouds genutzt, in denen beispiels­weise Handels­ver­bände oder Liefer­­ketten-Teil­­nehmer einen gemein­samen eMar­ket­place betreiben.

Trotz dieser inzwi­schen geläu­figen Klas­si­fi­zie­rungen ist es ob der Breite und stetigen Verän­derung der am Markt verfüg­baren Lösungen oftmals sehr schwer, diese konkret mitein­ander zu vergleichen und zu bewerten, welches Szenario den eigenen Bedarf am besten bedient. Aufgrund der Ambi­guität und Schnell­le­bigkeit des Cloud Marktes ist es sinnvoll, zunächst einmal ein aussa­ge­kräf­tiges, holis­ti­sches und anwend­bares Set von Bewer­tungs­kri­terien zu defi­nieren. Wichtig ist dabei das Verständnis, dass Cloud-Computing sowohl ein (tech­ni­sches) System­konzept als auch ein (prozes­suales) Geschäfts­modell darstellt, das nicht isoliert beauf­tragt wird, sondern in der Regel in ein bestehendes Gebilde inte­griert werden muss. Das beschriebene Framework bildet dazu relevante Themen anhand von fünf Dimen­sionen ab. In diesem Blog­beitrag werden die beiden promi­nen­testen Betrach­tungs­felder vorge­stellt. In einem Folge­beitrag wird darauf aufbauen auf weitere Dimen­sionen mit größerer Ambi­guität eingegangen.

 

Abbildung 1: AHP zur Bewertung von Cloud Dienstleistungen

Strategie

Ein stra­te­gi­scher Haupt­an­reiz­punkt zur Cloud Nutzung liegt oftmals in der Befä­higung, flexibel auf verschiedene Anfor­de­rungen rege­agieren zu können. Der Kern­ge­danke hinter Cloud Computing ist es, Rechen­ka­pa­zität als Utility bereit­zu­stellen, sprich in genau der im jewei­ligen Augen­blick benö­tigten Kapazität. Wichtig ist hier zwischen hori­zon­taler und verti­kaler Skalier­barkeit – Elas­ti­zität und Erwei­ter­barkeit – zu unter­scheiden. Elas­ti­zität betrachtet die Fähigkeit, Rechen­ka­pa­zität schnell zu bestimmten Anfor­de­rungen zu allo­kieren, also Peaks und Valleys dynamisch zu managen. Wesentlich stärker als der Großteil der Anwender können Cloud Anbieter Economies of Scale nutzen, um größere mitein­ander vernetzte Rechen­zentren zu betreiben, um so in einem Grid virtuelle Kapazität dynamisch zu verschieben. Oftmals korre­lieren Volumen und Varia­bi­lität der analy­sierten Daten negativ mit der Notwen­digkeit, Auswer­tungen in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Im Gegensatz zu opera­tiven Grund­an­for­de­rungen gibt es also oftmals einen weniger konstanten Bedarf an Rechen­ka­pa­zität zur Bewäl­tigung komplexer, über­grei­fender Analysen, was der Bewertung der Elas­ti­zität und Auto­ma­ti­sie­rungsgrad mehr Gewicht verleiht. Erwei­ter­barkeit dagegen beschreibt eine lang­fristige Skalier­barkeit. Hier sind mit einer privaten Cloud weniger Vorteile zu reali­sieren, als durch einen dedi­zierten Cloud Anbieter (beispiels­weise. Amazon, Google, Microsoft, SAP, EMC, Tieto, etc.).

Die Nutzung einer Cloud bringt außerdem oft Stan­dar­di­sie­rungs­vor­teile, wie zum Beispiel erhöhte Inte­gra­ti­ons­fä­higkeit und ein größeres Portfolio an ergän­zenden Lösungen. Dem gegenüber kann der Wunsch nach indi­vi­du­eller Anpass­barkeit stehen. Entspre­chend zu berück­sich­tigen ist die benötigte Agilität, also die Fähigkeit, schnell neue Reports oder sogar Anwen­dungen und Systeme in der Cloud zu inte­grieren und umzu­setzen. Es geht bei der Auswahl einer Lösung also auch darum zu bewerten, in welcher Häufigkeit und bis zu welchem Grad genutzte Systeme angepasst und ergänzt werden müssen.

Eine Cloud Lösung ist außerdem oftmals präde­sti­niert, die Anfor­de­rungen an Mobilität zu erfüllen, speziell für viel­rei­sende Anwender mit wech­selnden Zugriffs­orten und- Medien z.B. Management oder Vertrieb. Mittels stan­dar­di­sierter shared Reports und real-time Feedback kann die Cloud außerdem gute Möglich­keiten zur Verbes­serung von unter­neh­mens­in­terner und externer Kolla­bo­ration bieten. Abzuwägen ist hier vor allem, inwieweit ein voll webba­sierter Dienst sinnvoll ist. Während über den Brow­s­er­zu­griff eine gewisse Platt­form­un­ab­hän­gigkeit gegeben ist und die Anfor­derung an das Endnut­zer­gerät minimal gehalten werden, ist eine ausrei­chende Inter­net­ver­bindung umso kriti­scher und offline zu arbeiten teilweise nicht möglich.

Zusam­men­ge­fasst: Wenn­gleich Skalier­barkeit, Agilität und Mobilität promi­nente Anreize zur Cloud Nutzung sind, muss im Einzelfall sorg­fältig analy­siert werden, welche Anfor­de­rungen an die Lösung bestehen und worin der stra­te­gische Mehrwert liegen soll. Die Angebote unter­scheiden sich mitunter stark in der realen Elas­ti­zität der zur Verfügung gestellten Rechen­ka­pa­zität und entspre­chender Auto­ma­ti­sie­rungs­grade wie auch in der lang­fris­tigen Erwei­ter­barkeit. Außerdem müssen die Gegenpole Mobilität und Unab­hän­gigkeit von Online­zu­gängen sowie Stan­dar­di­sierung versus Custo­miza­bility gegen­ein­ander abgewogen werden.

 

Finanzen

Neben dem Wunsch nach mehr Flexi­bi­lität sind es vor allem finan­zielle Anreize, die eine Cloud Lösung attraktiv scheinen lassen. Prin­zi­piell wird in einem Cloud Szenario Rechen­ka­pa­zität nicht gekauft, sondern bei Bedarf gemietet. Mit Ausnahme einer privaten Cloud sind so wesent­liche Einspa­rungen möglich, sowohl was Inves­tition in die Erwei­terung und Moder­ni­sierung als auch Overhead zum Betrieb der Infra­struktur angeht. In einem hybriden Szenario wird beispiels­weise Kapazität für ein gewisses Durch­schnitts­vo­lumen eigen­ständig gestemmt und bei Bedarf darüber hinaus mittels der Cloud (in der Regel IaaS) erweitert. Während diese Inves­ti­ti­ons­ein­sparung vor allem KMUs zugu­te­kommt, stellt die Cloud auch für Konzerne mit eigenen Daten­zentren Einspa­rungs­po­tential dar, da Stan­dar­di­sierung voran­ge­trieben und Legacy Systeme reduziert werden. Des Weiteren bietet die Cloud Nutzung die Möglichkeit, notwendige, stetige und oft erheb­liche Inves­tition in zeit­gemäße Sicher­heits­me­cha­nismen auf den Anbieter umzu­wälzen. Darüber hinaus geht mit der Cloud Nutzung oft auch eine Verschlankung und Effi­zi­enz­op­ti­mierung der eigenen IT Ressourcen einher (mehr dazu im zweiten Blog­beitrag unter dem Stichwort Admi­nis­tration). Letztlich müssen die verschie­denen Einspa­rungs­po­ten­tiale den variablen Kosten entspre­chend dem Preis­schema des Anbieters und den darin enthal­tenen Dienst­leis­tungen gegen­über­ge­stellt werden.

Zusam­men­ge­fasst: Obwohl die Cloud auf den ersten Blick Einspa­rungs­po­ten­tiale verspricht, müssen diese doch sorg­fältig gegen mögli­cher­weise erhöhte Lizenz­ge­bühren, Preis­staf­fe­lungen und mit dem Vendor­ma­nagement verbundene Aufwände evaluiert werden. Auch ist es wichtig zu prüfen, welche Leis­tungen in der Cloud-Nutzungs­­­gebühr abgedeckt sind. Beispiels­weise können zusätzlich Wartungs­ge­bühren, Sonder­zah­lungen bei Upgrades, Schu­lungs­ge­bühren oder Inte­gra­ti­ons­auf­wände anfallen. Während die Cloud gewis­ser­maßen Capital Expen­ditures zu Operating Expen­ditures wandelt, ist der Effekt auf die Bottom line nicht immer positiv.

 

  1. Abschlie­ßende Betrachtung

In diesem ersten Teil des Blogs zur Frage­stellung, welche Themen in der Bewertung einer Cloud Lösung relevant sind, haben wir uns auf die beiden primären Beweg­gründe zur Cloud Adoption konzen­triert. Sowohl unter stra­te­gi­schen Gesichts­punkten, wie erhöhte Flexi­bi­lität als auch einer Opti­mierung der Kosten­struktur, kann eine Cloud Nutzung erheb­lichen Mehrwert darstellen. Aller­dings sind stehen dem gewisse Abwä­gungen und poten­tielle Nachteile gegenüber, die diffe­ren­ziert betrachtet werden müssen. Im zweiten Teil des Blogs werden wir näher auf tech­nische und sicher­heits­re­le­vante Aspekte der Cloud Nutzung wie auch recht­licher und admi­nis­tra­to­ri­scher bezie­hungs­weise orga­ni­sa­to­ri­scher Impli­ka­tionen eingehen.

 

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