Einheit­liche Finanz­be­richt­erstattung mit dem European Single Elec­tronic Format (ESEF)

Die Konzern­be­richt­erstattung befindet sich im steten Wandel. Tech­no­lo­gische Entwick­lungen und regu­la­to­rische Anfor­de­rungen sowie ein stei­gendes internes und externes Infor­ma­ti­ons­be­dürfnis bewirken immer wieder neue Projekte, Lösungen und Formate. Eine relevante, aber wenig beachtete neue Anfor­derung ist das European Single Elec­tronic Format (ESEF).

European Single Elec­tronic Format (ESEF) – Eine regu­la­to­rische Anfor­derung unter vielen?

Gerade in den letzten Jahren gab es vor allem von regu­la­to­ri­scher Seite durch die neuen bzw. geän­derten IFRS-Standards IFRS 9 (verpflichtend ab 2018), IFRS 15 (ab 2018) und IFRS 16 (ab 2019) sowie die CSR Richt­linie (ab 2017) viele Ände­rungen der Berichts­pflichten. Eine weitere neue Anfor­derung, die darüber scheinbar wenig beachtet wurde, ist die Richt­linie zum „European Single Elec­tronic Format“ der Euro­päi­schen Wert­­papier- und Markt­auf­sichts­be­hörde (ESMA). Dieser wurde im Dezember 2017 in finaler Form veröffentlicht.

Diese Richt­linie sieht vor, dass alle Unter­nehmen, die innerhalb der EU Wert­pa­piere emit­tieren, ab 2020 ihre Finanz­be­richt­erstattung in einem einheit­lichen, digitalen Format vornehmen und bei den jewei­ligen natio­nalen Aufsichts­be­hörden und/oder Unter­neh­mens­re­gistern einreichen. Das derzeit noch in vielen Unter­nehmen übliche PDF-Format wird abgelöst.

European Single Elec­tronic Format (ESEF) – Einheit­liches Datei­format mit einheit­licher Struktur für bessere Vergleichbarkeit

Durch XBRL-Etiketten (eXten­sible Business Reporting Language) nach den Vorgaben der IFRS Taxonomie innerhalb des künftigen Formats soll eine schnelle und einfache Vergleich­barkeit zwischen Unter­nehmen gewähr­leistet werden. Das XBRL-Format ist ein freier Standard auf Basis des XML-Doku­­men­t­­formats zur Darstellung von Finanz­in­for­ma­tionen. Diese Etiketten funk­tio­nieren dabei struktur- und sprach­über­greifend, während in den bishe­rigen Berichten ein großer Teil an unter­neh­mens­spe­zi­fi­schen Posi­tionen diesen Vergleich erschwerte. Ab 2020 ist die detail­lierte Verwendung dieser Etiketten in den Stan­dard­be­richten, d.h. Bilanz, Ergebnis- und Kapi­tal­fluss­rechnung und dem Eigen­ka­pi­tal­spiegel verpflichtend. Konzern­spe­zi­fische Anhänge können block­weise gekenn­zeichnet werden.

Letzteres ist eine Reaktion auf die Situation in den USA, wo die dortige Börsen­auf­sicht (SEC) einen ähnlichen Standard geschaffen hat. Dieser sah aller­dings vor, dass auch die Anhänge detail­liert etiket­tiert werden, und endete darin, dass die dortige Taxonomie stetig erweitert werden musste. Unter­nehmen bot sich so außerdem die Möglichkeit, viele Stan­dard­po­si­tionen einfach als solche Erwei­te­rungen zu kenn­zeichnen, was die Vergleich­barkeit der Infor­ma­tionen eher erschwerte als verbesserte.

Die ESMA möchte hier einen Kompromiss gehen. Anstatt jede einzelne Position detail­liert zu etiket­tieren, soll es über „Anchoring“ möglich sein, einzelne unter­neh­mens­spe­zi­fische Posi­tionen mit Stan­dard­po­si­tionen zu verlinken: z.B. segment­spe­zi­fische Umsätze mit den Umsätzen.

European Single Elec­tronic Format (ESEF) – Wenig Aufmerk­samkeit trotz weit­rei­chender Wirkung

Im Gegensatz zu den übrigen regu­la­to­ri­schen Anfor­de­rungen der vergan­genen Jahre scheint das European Single Elec­tronic Format (ESEF) zu großen Teilen an vielen Betrof­fenen – Analysten wie Berichts­er­stellern – vorüber gegangen zu sein. IFRS 9, 15 und 16 erzeugten ein Viel­faches an Aufmerk­samkeit, obwohl die Auswir­kungen des ESEF auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden sollten. Schon während des Abstim­mungs­pro­zesses gingen gerade einmal 14 Kommentare von Betrof­fenen, davon nur einer aus Deutschland, bei der ESMA ein.

Auswir­kungen des European Single Elec­tronic Formats (ESEF)

Die Zeit, die Anfor­de­rungen des European Single Elec­tronic Formats einzu­planen, ist günstig. Schließlich werden die Berichts­pro­zesse ohnehin über­ar­beitet, um die übrigen regu­la­to­ri­schen Anfor­de­rungen zu erfüllen. Andern­falls sind die Anfor­de­rungen des ESEF auch ein guter Start­punkt, um andere Verän­de­rungen und Entwick­lungen am Berichts­wesen zu treiben.

Unter­nehmen, die bereits jetzt ihre Bericht­struk­turen an die Anfor­de­rungen der ESEF- bzw. IFRS-Taxonomie anpassen, sind früh­zeitig in der Lage, zu iden­ti­fi­zieren, welche Berichts­po­si­tionen sich nicht in den Standard einordnen lassen und wie mit solchen Abwei­chungen umge­gangen werden soll.

Allgemein gilt es bereits jetzt zu klären, wer für die Umsetzung der Richt­linie im Unter­nehmen verant­wortlich zeichnen soll und inwieweit ggf. auch Wirt­schafts­prüfer in die Umsetzung und Einhaltung der Richt­linie einge­bunden werden sollen oder müssen.

European Single Elec­tronic Format (ESEF) in der Zusammenfassung

  • Verpflichtend ab 01.01.2020 für alle Unter­nehmen, die innerhalb der EU Wert­pa­piere emittieren.
  • Einheit­liches Datei­format mit einheit­licher Struktur in Anlehnung an die IFRS-Taxonomie.
  • Posi­tionen innerhalb der einzelnen Berichte werden mit stan­dar­di­sierten Tags und Anchors versehen, um die Berichte maschi­nen­lesbar und besser vergleichbar zu machen.

Die verovis GmbH unter­stützt gerne bei der Einführung des ESEF-Standards. Dabei greifen wir auf unsere Erfah­rungen, Toolsets und Best Practices zurück, die wir durch mehrere erfolg­reiche Projekte in den Bereichen IFRS und Reporting gesammelt haben.

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