Zinsen und Zahlungs­ef­fekte in der Liqui­di­täts­rechnung nach IAS 7

Die Liqui­di­täts­rechnung ist eine notwendige Ergänzung der Bilanz und Ergeb­nis­rechnung. Eine anschau­liche Darstellung der damit zusam­men­hän­genden Sach­ver­halte. Die wesent­lichen Rechen­werke des handels­recht­lichen Abschlusses sowohl nach HGB als auch nach IFRS waren und sind bis zum jetzigen Zeitpunkt die Bilanz und die Ergeb­nis­rechnung jedes Einzel­un­ter­nehmens und jeder Unter­neh­mens­gruppe (auch als Konzern bezeichnet).

 

Darstellung der Vermö­genslage in der Bilanz

Die Bilanz gilt als das histo­risch erste Rechenwerk, welches Kauf­leuten und deren Inves­toren als Teil der Doku­men­ta­ti­ons­funktion des Abschlusses eine Übersicht über den Stand des Vermögens ihrer Unter­neh­mungen geben sollte. Hier sind alle Vermö­gens­ge­gen­stände, welche dem Unter­neh­mensziel der Gewinn­rea­li­sierung dienen und im Verfü­gungs­be­reich des Unter­nehmens sind, aufzu­listen und wertmäßig weiter­zu­ent­wi­ckeln; diese Entwick­lungen werden durch regel­mäßige und außer­or­dent­liche Abnut­zungs­ab­set­zungen sowie durch ständige Inven­turen und Markt­be­wer­tungen ermittelt und in die Bilanz aufgenommen.

Die Bilanz ist eine Zeit­punkt­be­trachtung und in zwei betrags­mäßig iden­tische Seiten aufge­teilt, Aktiva und Passiva. Aktiva als Vermö­gens­ge­gen­stände geben die Seite der Vermö­gens­ver­wendung wieder; hier wird angegeben, wie die Kaufleute ihr Vermögen anlegen und aufteilen und welche Werte im Falle des Konkurses den Gläu­bigern zur Befrie­digung ihrer Ansprüche zur Verfügung stehen können.

 

Darstellung der Ertragslage in der Ergebnisrechnung

Die Darstellung der Vermö­genslage findet also in der Bilanz statt, wohin­gegen innerhalb der Ergeb­nis­rechnung die Ertragslage offen­gelegt wird. Dieses Rechenwerk ist als Zeit­raum­be­trachtung konzi­piert und offenbart die Ursachen des betriebs­wirt­schaft­lichen Erfolges, indem die Umsätze und Aufwands­arten sowie sonstigen Erträge angezeigt werden, welche auch in Relation zuein­ander und zu Vorjahres- und Fremd­un­ter­neh­mens­zahlen gesetzt werden können.

Auf diese Weise kann die Effizienz des Unter­nehmens und die wirt­schaft­liche Leis­tungs­fä­higkeit unter­sucht und anhand bestimmter Entwick­lungen können Inves­­ti­­tions- oder Desin­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dungen getroffen werden. Die bestim­menden Größen der Ergeb­nis­rechnung sind Erträge als Vermö­gens­zu­wächse durch Gewinn­erzielung und Aufwen­dungen als Vermö­gens­min­de­rungen durch Verlusterzielung.

 

Darstellung der Finanzlage in der Liquiditätsrechnung

Die wert­mäßige Entwicklung und vor allem die Zusam­men­setzung dieser Entwicklung der unter­neh­me­ri­schen Liqui­dität stellt das Analy­seziel des dritten Rechen­werkes der Unter­neh­mens­ab­schlüsse dar; hier handelt es sich um die Liqui­di­täts­rechnung, welche ebenso wie die Ergeb­nis­rechnung als Zeit­raum­be­trachtung konzi­piert ist und die Finanz- oder Liqui­di­tätslage des Unter­nehmens darlegen soll. Hier wird die Verän­derung der liquiden Mittel offen­gelegt, welche bei Nicht­vor­han­densein einen Insol­venz­grund darstellen und damit von außer­or­dent­lichem Interesse für jedes Unter­nehmen sind.

Als liquide Mittel werden Bank- und Kassen­be­stände definiert, wobei die Bank­be­stände auch Konto­kor­rent­schulden als negative Bank­be­stände (Über­zie­hungen) beinhalten. Es können aber auch besonders liquide, innerhalb von maximal drei Monaten reali­sierbare Effekten und Wert­pa­piere zu den liquiden Mitteln als Barmit­tel­fonds gezählt werden, was aller­dings klar doku­men­tiert und beibe­halten werden muss.

Die Verän­derung dieser Bestände könnte auch aus den Bestands­dif­fe­renzen der Bilanz zu unter­schied­lichen Zeit­punkten ermittelt werden, aber die einzelnen Ursachen dieser Verän­derung sind dann nicht zu ermitteln. Die Liqui­di­täts­rechnung kann direkt oder indirekt ermittelt werden; die direkte Ermittlung ist im inves­tiven und finan­zi­ellen Bereich verpflichtend vorge­schrieben, während der operative Teil indirekt oder vorzugs­weise direkt ermittelt werden soll.

Indirekte Ermittlung bedeutet, dass aus der Ergeb­nis­rechnung im Zusam­men­spiel mit Bilanz­pos­ten­än­de­rungen die Liqui­di­täts­än­de­rungen ermittelt werden. So wird das Ergebnis als Änderung des Eigen­ka­pitals inter­pre­tiert und alle nicht zahlungs­wirk­samen Ergeb­nis­be­stand­teile im opera­tiven Bereich davon in Abzug gebracht. So werden die Abschrei­bungen und Abwer­tungen hinzu­ge­rechnet; ebenso werden Forde­rungs­zu­nahmen durch Umsatz­er­zielung wie Verbind­lich­keits­meh­rungen durch Aufwen­dungen abgezogen bzw. hinzu­ge­zählt. Ebenfalls werden Mehrungen des Vorrats­ver­mögens abgezogen (vermutete Auszah­lungen), wobei Erhö­hungen der Verbind­lich­keiten hinzu­ad­diert werden, da diese Beträge gerade nicht zahlungs­wirksam sind. Allgemein gilt hier, dass Mehrungen von Aktiva / Minde­rungen von Passiva negativ und Minde­rungen von Aktiva / Mehrungen von Passiva positiv verrechnet werden müssen.

Der operative Teil gibt an, inwieweit es der Unter­nehmung gelungen ist, durch Umsatz­er­zielung im Zusam­men­spiel mit Mate­ri­al­aufwand und Bestands­än­derung sowie sonstigen betrieb­lichen Aufwen­dungen und Erträgen liquide Mittel zu vermehren oder zu mindern. Dieser Bereich stellt den mit Abstand rele­van­testen Teil für die Fremd- und Eigen­ka­pi­tal­geber dar, da auf die Dauer eine Unter­nehmung nur lebens­fähig ist, wenn hier Liqui­di­täts­über­schüsse erzielt werden.

Der investive Teil besteht aus Einzah­lungen und Auszah­lungen im Bereich von Inves­ti­tionen in lang­fristige mate­rielle, imma­te­rielle und finan­zielle Vermö­gens­werte. Dieser Bereich ist wesentlich für die Beur­teilung der Expan­si­ons­kraft und Über­le­bens­fä­higkeit des Unter­nehmens, da nur bei mindestens Ersatz der abge­schrie­benen Inves­ti­ti­ons­güter das Unter­nehmen mittel- bis lang­fristig die Wett­be­werbs­fä­higkeit erhalten werden kann. Somit sind die Zugänge im Verhältnis zu den Abschrei­bungen als Ausdruck der Expan­si­ons­fä­higkeit zu beurteilen.

Der finan­zielle Teil der Liqui­di­täts­rechnung gibt die Ein- und Auszah­lungen durch Eigen­­ka­­pital- und Kredit­ver­än­de­rungen wieder und ermög­licht Kapi­tal­gebern, das finan­zielle Gleich­ge­wicht im Unter­nehmen abschließend zu beur­teilen, da Inves­ti­ti­ons­stra­tegien oftmals durch Eigen­ka­pi­tal­auf­nahme und Kredi­ter­hö­hungen finan­ziert werden und dann durch spätere operative Einzah­lungs­über­schüsse zurück­ge­zahlt werden. Werden nun aber Kredite laufend erhöht, um operative Auszah­lungs­über­schüsse zu kompen­sieren, wird das Unter­nehmen schnell gezwungen werden, Inves­ti­ti­ons­güter zu veräußern und seine Bonität und Wett­be­werbs­fä­higkeit voll­ständig einbüßen. Daher ist das Zusam­men­spiel der drei Bereiche wesentlich, um die finan­zielle Über­le­bens­fä­higkeit des Unter­nehmens beur­teilen zu können.

Zinsen als Bestandteil der Liquiditätsrechnung

Gezahlte und erhaltene Zinsen sind als Bestandteil der Rechnung gesondert auszu­weisen, wobei der Bereich (operativ, investiv oder finan­ziell) anfänglich nach IFRS frei gewählt, aber danach ohne zwin­genden Grund beibe­halten werden muss.

Dieser Betrag kann als manuell zu pflegende Infor­mation oder als berechnete Größe ermittelt werden. Der Nachteil der manuellen Eingabe liegt in der Fehler­an­fäl­ligkeit und Mani­pu­lier­barkeit der Werte; so kann die Fach­ab­teilung eine abwei­chende Rechnung (errechnete Änderung weicht von Bilanz­stands­dif­ferenz ab) über diese Eingabe als formal korrekt, aber inhaltlich dennoch falsch ausweisen. Einer errech­neten Position ist dabei eindeutig der Vorzug zu geben, damit manuelle Eingaben so umfassend wie möglich verhindert werden und damit Zusatz­aufwand und Fehler­an­fäl­ligkeit entfallen.

Zum Jahres­er­gebnis als Ausgangs­größe ist das gesamte Zins­er­gebnis zu addieren (Zins­aufwand über­steigt Zins­ertrag) bzw. davon zu subtra­hieren (Zins­ertrag über­steigt Zins­aufwand); dann sind die gezahlten Zinsen als Zins­aufwand weniger Zins­ab­gren­zungen im Verbin­d­­li­ch­­keiten- (Aufzin­sungen) / Forde­rungs­be­reich (Abzin­sungen) zu ermitteln. Die erhal­tenen Zinsen werden ermittelt, indem von den Zins­er­trägen Zins­ab­gren­zungen im Verbin­d­­li­ch­­keiten- (Abzin­sungen) / Forde­rungs­be­reich (Aufzin­sungen) subtra­hiert werden. Hierunter fallen auch Entwick­lungen von Agios und Disagios sowie Ausga­be­auf­wen­dungen von Finanz­schulden. Damit sind die Forde­­rungs- und Verbind­lich­keits­spiegel nicht nur separat einzu­führen, sondern auch mit diesen Bewe­gungs­arten zu versehen und zu bebuchen. Die Einrichtung und rech­ne­rische Verknüpfung stellt aller­dings nur einma­ligen Konfi­gu­ra­ti­ons­aufwand dar, während die Verbu­chung als Routine und ständige Übung sich bald einge­spielt haben dürfte. Damit entfallen aber ande­rer­seits lästige und mani­pu­la­ti­ons­an­fällige Daten­ein­gaben, was die Qualität der Liqui­di­täts­rechnung signi­fikant erhöhen dürfte.

Ein weiterer wesent­licher Abgren­zungs­be­reich der Liqui­di­täts­rechnung besteht in der Einrichtung spezi­eller Konten für Forde­rungen und Verbind­lich­keiten aus Liefe­rungen und Leis­tungen, welche sich durch Ein- und Verkauf von Inves­ti­ti­ons­gütern ändern. Hier sind sowohl Forde­rungen aus Verkauf von Sach­an­lagen, imma­te­ri­ellen Anlagen sowie Finanz­an­lagen einzu­richten sowie Verbind­lich­keiten aus dem Einkauf von Sach­an­lagen, imma­te­ri­ellen Anlagen sowie Finanz­an­lagen. Die Ab- und Zunahmen der Posten des Anla­ge­ver­mögens können dann gemeinsam mit den Ände­rungen der Forde­rungen / Verbind­lich­keiten die Zahlungs­über­schüsse des inves­tiven Bereiches abbilden, welche ansonsten immer zu positiv (Abgänge über­steigen Zugänge) oder zu negativ (Zugänge über­steigen Abgänge) zu Lasten oder zu Gunsten des opera­tiven Bereiches darge­stellt werden.

 

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