Beispiel­rechnung mehr­stufige Konsolidierung

Beispielrechnung mehrstufige Konsolidierung

Muss in mehr­stu­figen Konzernen mit direkten und indi­rekten Minder­heiten ein Geschäfts- und Firmenwert abge­bildet werden, gilt es einige Kniffe zu beachten. Worauf es bei der mehr­stu­figen Konso­li­dierung ankommt.

Berechnung des Geschäfts- und Firmenwertes

Der Geschäfts- und Firmenwert ergibt sich als rechen­tech­ni­scher Diffe­renz­betrag zwischen der ver­traglich zuge­si­cherten oder schon bezahlten Gegen­leistung des Konzerns (den Anschaf­fungs­kosten der Betei­ligung) zusätzlich zu den Anteilen der Minder­heits­ge­sell­schafter (falls der Konzern­anteil nicht 100 Prozent beträgt) und dem zuzu­wei­senden Tages- oder Zeitwert des Netto­ver­mögens des erwor­benen Unter­nehmens (bestehend aus Vermö­gens­werten und Fremdkapitalien).

Sowohl nach IFRS 3 alter Fas­sung (2004) sowie neuer Fassung (2008 revidiert) muss das Netto­ver­mögen des erwor­benen Unter­nehmens einer Neube­wertung mit Tages­werten unter­zogen werden, damit sicher­ge­stellt werden kann, dass einer­seits nur tages­ak­tuelle Werte in der Konzern­rech­nungs­legung ausge­wiesen werden und ande­rer­seits der in den meisten Fällen ange­nommene akti­vische Unter­schieds­betrag so weit als möglich auf andere Netto­ver­mö­gens­werte aufge­teilt wird.

Die Defi­nition des Geschäfts- und Firmen­wertes als reine Diffe­renz­größe legt nämlich nahe, dass es sich um ein Konglo­merat nicht weiter greif­barer vermu­teter Erwerbs­vor­teile der Betei­ligung handelt, welche sich im Verlauf der Konzernzugehö­rigkeit erst noch mate­ria­li­sieren müssen (Orga­ni­sation, Unter­neh­mens­führung, Leis­tungs­fä­higkeit der Beleg­schaft, Kunden­be­zie­hungen, Markt­zu­gänge etc.). Daher ist es aus Sicht der Nach­voll­zieh­barkeit der Kauf­preishöhe (Legi­ti­mation durch konkret vorlie­gendes in Markt­preisen bewer­tetes Nettovermö­gen) und zur Erleich­terung der Fort­ent­wicklung des Betei­li­gungs­net­to­ver­mögens im Rahmen der Fol­gekonsolidierung vorteilhaft stille Reserven / Lasten möglichst umfassend aufzudecken.

Die Neube­wertungsmethode lässt die Minder­heits­ge­sell­schafter ebenfalls an der Aufde­ckung stiller Reserven / Lasten teilhaben, um möglichst das gesamte Netto­ver­mögen unab­hängig von der Anteils­struktur ta­gesaktuell bewerten zu können. Die neube­wer­teten Bilanz­be­stände sind aber im Unter­schied zum Ge­schäfts- und Firmenwert keine Zusam­men­fassung äußerst diverser wirt­schaft­licher Vorteile, welche sich mangels Greif­barkeit oder Einzel­ver­äu­ße­rungs­fä­higkeit nicht einzeln bilan­zieren lassen und aus­schließlich durch den Erwerbs­vorgang der Akqui­sition entstanden sind. Daher ist die komplette Aufde­ckung stiller Reserven und Lasten bei Existenz von Minder­heiten als konse­quente Umsetzung der Ein­heitstheorie zu begrüßen und konsistent.

Seit 2008 erlauben die IFRS auch die Anwendung der Metho­den der voll­stän­digen Aufde­ckung von Geschäfts- und Firmen­werten, was bedeutet, dass ebenfalls Minder­heits­ge­sell­schafter einen Anteil am Geschäfts- und Firmenwert ausweisen können. Vorausset­zung dafür ist die Tages­wert­be­messung des Anteils der Minder­hei­ten­ge­sell­schafter. Sollten die Anteile an der Toch­ter­un­ter­nehmung nicht an einem gere­gelten Markt gehandelt werden, wird die Markt­wert­be­messung des Minder­hei­ten­an­teiles nur aufgrund subjek­tiver, mit Schät­z­un­ge­nau­ig­keiten verse­hener statis­ti­scher Methoden möglich sein.

Aufgrund der Aufhebung der regel­mä­ßigen Abwertung des Geschäfts- und Firmen­wertes werden diese subjek­tiven Schätz­werte bis zum Auftreten von Abwer­tungs­er­for­der­nissen durch Abwer­tungs­tests als stille Lasten Bestandteil der Bilanz des Konzernes bleiben. Aus diesen Gründen ist eine betei­li­gungs­pro­por­tionale Aufde­ckung des Geschäfts- und Firmen­wertes als bessere Lösung dieses Sach­ver­haltes anzusehen.

Tabelle Prämissen

Kreisanteilsmethode

Tabelle Direktanteilsmethode

Mehr­stufige Konzern­struk­turen mit direkten und indi­rekten Minderheiten

Wird durch einen Konzern beispiels­weise ein weiteres Enkel­un­ter­nehmen von einer Zwischen­tochter erworben, ergeben sich auf der untersten Unter­neh­mens­ebene bei einem erwor­benen Anteilssatz von unter 100 Prozent direkte Minder­heits­ge­sell­schafter an der Enkel­un­ter­nehmung. Dieser Sach­verhalt lässt sich normal, wie der Erwerb von voll­kon­so­li­dierten Unter­nehmen mit weniger als 100 Prozent Anteils­besitz abbilden, so dass die unterste Ebene hier keinerlei Heraus­for­de­rungen oder Wahl­rechte der Abbildung auslösen. Die Minder­heiten können hier generell im Rahmen der vollen Geschäfts- und Firmen­wert­auf­de­ckung einen Anteil am Geschäfts- und Firmenwert erhalten oder dieser wird wie in der deutschen Unter­neh­mens­praxis bisher über­wiegend üblich nur betei­li­gungs­pro­por­tional aufge­deckt. An den stillen Reserven / Lasten sind die Minder­heiten aber voll­ständig beteiligt.

Sollte es nun an der Zwischen­toch­ter­un­ter­nehmung ebenfalls Minder­hei­ten­an­teile geben, werden diese als soge­nannte indirekte Minder­heiten bezeichnet und sind als solche nicht nur an der Betei­ligung der Zwischen­tochter an der Enkel­un­ter­nehmung, sondern auch am Eigen­ka­pital der Enkel­un­ter­nehmung beteiligt. Diese Verrechnung, welche im Rahmen der Kapi­tal­kon­so­li­dierung erfolgen muss, kann jetzt zum Ausweis eines Geschäfts- und Firmen­wertes bei den indi­rekten Minder­heiten führen. Dieser Sach­verhalt tritt ein, wenn das soge­nannte additive Verfahren verwendet wird, bei welchem die Erst­kon­so­li­dierung ausschließlich aus Sicht der Zwischen­mutter durch­ge­führt wird und die höher­stu­figen Kapi­tal­be­zie­hungen des Konzerns voll­ständig ignoriert werden.

Weil der Blick­winkel des Zwischen­un­ter­nehmens einge­nommen wird, sind auch nur der direkte Kapital- und Minder­heits­anteil von Relevanz. Wird der direkte Anteil verwendet, errechnet sich der Minder­hei­ten­anteil aus dem antei­ligen Ausweis des vollen Rein­ver­mögens beider Toch­ter­un­ter­nehmen. Der Minder­hei­ten­anteil an der Betei­ligung wird trotz der Konso­li­die­rungs­pflicht der Betei­ligung ausge­wiesen, wodurch der gesamte Ausgleichs­posten aus dem Minder­hei­ten­anteil am Rein­ver­mögen beider Unter­nehmen und einem auf indirekte Fremd­an­teile entfal­lenden Geschäfts- und Firmenwert besteht.

Die betriebs­wirt­schaft­liche Sicht­weise der soge­nannten Kreis­an­teils­me­thode besteht hingegen aus dem Blick­winkel des obersten Konzern­un­ter­nehmens, welches übli­cher­weise die Ebene oder den Ort darstellt, wo die Steue­rungs­ent­schei­dungen für den gesamten Unter­neh­mens­verbund vorge­nommen werden. Aus Sicht des den umfas­senden, kompletten Grup­pen­ab­schluss erstel­lenden Konzern­un­ter­nehmens werden die gezahlte Gegen­leistung als Betei­ligung, das anteilige neube­wertete Vermögen und – als Resultat der Verrechnung beider Werte – der Geschäfts- und Firmenwert dargestellt.

Aus der Beur­teilung der Gesamt­gruppe ist das oberste Mutter­un­ter­nehmen der schluss­end­liche Erwerber. Es ist de facto Bilan­zie­rungs­er­steller des Konzern­ab­schlusses und hat folglich die Normen aus seiner Perspektive anzu­wenden. Aller­dings führt es keinen voll­stän­digen Erwerb des Enkel­un­ter­nehmens durch, sondern weist nur seinen Rein­ver­mö­gens­anteil in Höhe der durch­ge­rech­neten Betei­li­gungs­quote aus. Der Minder­hei­ten­anteil umfasst hierbei nur das anteilige konso­li­dierte Rein­ver­mögen der beiden Töchter; das bedeutet, dass der indirekte Minder­hei­ten­betrag an der Betei­ligung auf Ebene der Zwischen­tochter gegen den gesamten Minder­hei­ten­anteil elimi­niert wird und damit kein Geschäfts- und Firmenwert für Minder­heiten gezeigt wird. Somit müssen weniger Firmen­werte im Rahmen der Folge­kon­so­li­dierung Abwer­tungs­tests unter­zogen werden und der Minder­hei­ten­ausweis wird nur auf Basis des konso­li­dierten neube­wer­teten Eigen­ka­pitals der betei­ligten Töchter dotiert.

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