Mit S/4HANA for Group Reporting bringt die SAP eine inno­vative Lösung zur agileren, auto­ma­ti­schen und valideren Erstellung des Konzern­ab­schlusses auf den Markt. Mit dem Group Reporting inter­pre­tiert SAP den Konzern­ab­schluss nicht mehr als zusätz­lichen eigenen Prozess, sondern als Teil­prozess (Conti­nuous Accounting) des gesamten Abschlusses.

So läuft der Konzern­ab­schluss mit SAP S/4HANA for Group Reporting

Der gesamte Abschluss umfasst die Einzel­ab­schlüsse der jewei­ligen Konzern­un­ter­nehmen sowie die Konso­li­die­rungs­schritte der Summen­ab­schlüsse (Kapital‑, Schulden‑, Aufwands- und Ertrags­kon­so­li­dierung sowie Zwischen­er­geb­niseli­mi­nierung mit jewei­ligen Steu­er­ab­gren­zungen). Durch die Inte­gration des Group Reporting in die S/4HANA In-Memory Datenbank wird die notwendige tech­nische Inte­gration sichergestellt.

Der tradi­tio­nelle Konzern­ab­schluss besteht aus vier Teilprozessketten

Bis das SAP S/4HANA for Group Reporting flächen­de­ckend einge­setzt wird, dominiert der tradi­tio­nelle Konzern­ab­schluss das Geschehen. Dieser­lässt sich im Wesent­lichen in vier Teil­pro­zess­ketten unterteilen.

Abbildung 1: Ablauf eines tradi­tio­nellen Konzern­ab­schlusses.

Schritt 1: Vorbe­rei­tungs­maß­nahmen für den Konzernabschluss

Im ersten Prozess­schritt werden alle Stamm­daten (einheit­licher Kontenplan mit Zuord­nungs­ta­bellen, einheit­liche Spie­gel­be­we­gungen und Gesell­schafts­be­zeich­nungen für IC-Daten) in der ange­wandten Konso­li­die­rungs­lösung gepflegt. Im bevor­zugten Umset­zungs­ansatz wird empfohlen, alle Stamm­daten mit Hilfe eines auto­ma­ti­schen Lade­pro­zesses mit dem zentralen Finanz­system oder auch diversen Vorsys­temen zu synchro­ni­sieren (vor allem bei Konten­pla­ner­wei­te­rungen oder ‑ände­rungen sowie neuen Gesell­schaften). Anschließend werden die Zusatz­mel­de­in­for­ma­tionen, wie direkte / indirekte Betei­li­gungs­quoten, Einbe­zie­hungs­arten, Erst- und Entkon­so­li­die­rungs­zeit­punkt, Betei­li­gungs­buch­werte, histo­rische Eigen­ka­pi­tal­salden etc. übermittelt.

Schritt 2: Inter­company Vorabstimmung

Der zweite Prozess­schritt ist ein optio­naler Zwischen­schritt, der im Rahmen des bevor­zugten Lösungs­an­satzes zu empfehlen ist. Dieser trägt zur Verbes­serung der Daten­qua­lität vor dem Abschluss­stichtag und somit zur Beschleu­nigung des gesamten Prozesses bei. Hier werden fokus­siert die IC-Daten gemeldet (bilanz­seitig für Kapital- und Schul­den­kon­so­li­dierung, ergeb­nis­rech­nungs­seitig für Aufwands- und Ertrags­kon­so­li­dierung sowie Zwischen­er­geb­niseli­mi­nierung), welche dann bei Fremd­wäh­rungs­ein­heiten in die Konzern­währung umzu­rechnen sind, um eine einheit­liche Wertbasis zur Verrechnung zu haben. Danach erfolgt die Abstimmung der Daten, wodurch größere Diffe­renzen analy­siert und bereinigt werden können.

Schritt 3: Daten­meldung und Datenvalidierung

Im dritten Prozess­schritt erfolgt die Daten­meldung mit Hilfe des direkten Imports aus dem ERP-/BW-System, MS-Excel-Dateien oder netz­ba­sierten Daten­er­fas­sungs­ober­flächen. Anschließend werden alle Fremd­wäh­rungs­mel­de­daten in die Konzern­währung umge­rechnet und validiert (bspw. Aktiva gleich Passiva, Ergebnis Bilanz zu Ergebnis GuV sowie Abwer­tungen und Abschrei­bungen nach Spiegeln und GuV). Insbe­sondere bei den Vali­die­rungs­regeln empfehlen wir, eine bestimmte Auswahl zu defi­nieren, um die Daten­kon­sistenz zu sichern.

Schritt 4: Erstellung des Konzernabschluss

Die Erstellung des Konzern­ab­schluss bildet den letzten Prozess­ab­schnitt der Kette. Das Ziel ist dabei jedwede pauschale Buchung auf Konzern­ebene zu vermeiden. Die notwen­digen manuellen Anpas­sungen sollten mindestens auf die einzelne Konso­li­die­rungs­einheit zuge­ordnet werden. Diese Maßnahme stellt bei der weiteren Entwicklung des Konso­li­die­rungs­kreises sicher, dass zu jedem Zeitpunkt eine Konso­li­die­rungs­einheit inklusive aller Konso­li­die­rungs­bu­chungen entkon­so­li­diert werden kann (bei Verkauf oder Auflösung einer Einheit inklusive aller zuge­wie­senen Anpassungsbuchungen).

Umge­staltung des Konzern­ab­schluss mit SAP S/4HANA for Group Reporting

Den skiz­zierten tradi­tio­nellen Prozess der Konzern­ab­schluss­erstellung versucht die SAP mit der neuen Konso­li­die­rungs­lösung SAP S/4HANA for Group Reporting neu zu gestalten und zu verbessern. Das Group Reporting geht im ersten Schritt davon aus, dass alle rele­vanten Konso­li­die­rungs­ein­heiten im ERP-System S/4HANA geführt werden. Des Weiteren wird ein zentra­li­siertes Daten­modell als einzig valide und zulässige Daten­quelle voraus­ge­setzt. Unter der Annahme eines einheit­lichen Stamm­da­ten­mo­dells im Einzel- und Konzern­ab­schluss sinkt der Aufwand der Stamm­da­ten­pflege signi­fikant. Ergänzend sollten Zusatz­in­for­ma­tionen für jede Konso­li­die­rungs­pe­riode gepflegt werden.

Die Inte­gration aller Konso­li­die­rungs­ein­heiten in S/4HANA und die Nutzung des Group Reporting bewirken, dass die konti­nu­ier­liche Inter­company Abstimmung, die konti­nu­ier­liche Währungs­um­rechnung sowie Daten­va­li­dierung zu jedem Zeitpunkt möglich sind. 

Abbildung 2: Abschluss­erstel­lungs­prozess mit SAP S/4HANA for Group Reporting

Impli­ka­tionen der Prozess-Verän­derung auf den Konzernabschluss

Eine Währungs­um­rechnung zu jedem Zeitpunkt bedingt die Anwendung der Trans­ak­ti­ons­kurse für jede einzelne Buchung. Am Stichtag muss eine Bewertung der Forde­rungen und Verbind­lich­keiten zum Stich­tagskurs erfolgen und die gesamte Bilanz zum Stich­tagskurs umge­rechnet werden (siehe IAS 21.39). Im Ergebnis führt die Anwendung der Trans­ak­ti­ons­kurse anstelle der Durch­schnitts­kurse zu einem genaueren Ausweis der Währungs­ef­fekte in den Spiegeln (z.B. Eigen­ka­pi­tal­ver­än­de­rungs­rechnung, Anla­ge­spiegel etc.) und in der indi­rekten Kapi­tal­fluss­rechnung. Des Weiteren wird ein Jahres­er­gebnis ohne Währungs­ver­zer­rungen durch den Durch­schnittskurs ausgewiesen.

Trotz der höheren Genau­igkeit muss analy­siert werden, ob eine Umstellung vom Durch­schnittskurs auf den Trans­ak­ti­onskurs ohne weiteres möglich ist. Hier müssen insbe­sondere die Aspekte der Stetigkeit, Wirt­schaft­lichkeit sowie der Vergleich­barkeit hervor­ge­hoben werden und stellen eine signi­fi­kante Heraus­for­derung dar.

Die perma­nente Daten­va­li­dierung kann erfolgen durch detail­lierte Defi­ni­tionen von Buchungs­regeln im Einzel­ab­schluss. So wird sicher­ge­stellt, dass die Daten schon bei der Erfassung im Einzel­ab­schluss den Daten­qua­li­täts­an­sprüchen des Konzerns genügen. Neben der Daten­va­li­dierung im Einzel­ab­schluss sollte nach dem bevor­zugten Umset­zungs­ansatz die Anwendung der Abbildung von Konso­li­die­rungs­ef­fekten auf Einzel­ab­schluss­ebene in Erwägung gezogen werden. Folglich werden die Konzern­an­pas­sungen, wie die Auflösung der Korrektur der Abschrei­bungen auf Betei­li­gungen, die Ausbu­chung von Wert­be­rich­ti­gungen auf konzern­in­terne Forde­rungen usw., direkt im Einzel­ab­schluss auf einer separaten Buchungs­ebene adjustiert.

Nach den konti­nu­ier­lichen Maßnahmen werden die vali­dierten Daten adjus­tiert und konsolidiert.

Der Prozess­vor­schlag seitens der SAP unter­liegt der Annahme der Voll­in­te­gration aller Gesell­schaften in S/4HANA. In der Praxis ist jedoch zu beob­achten, dass ein hoher Hete­ro­ge­ni­tätsgrad der Vorsysteme die Regel darstellt. Insbe­sondere bei volatilen Konzern­struk­turen (M&A, Neugrün­dungen, sukzes­siver Anteils­erwerb mit geän­derten Konso­li­die­rungs­me­thoden etc.) kann nicht von einer S/4HANA Inte­gration aller Konso­li­die­rungs­ein­heiten zum Erst­kon­so­li­die­rungs­zeit­punkt ausge­gangen werden. Des Weiteren ist zu erwähnen, dass nicht alle Konso­li­die­rungs­ein­heiten, an denen der Konzern Anteile hält, die Daten voll­um­fänglich mit der Mutter­ge­sell­schaft teilen müssen, geschwei­gedenn wollen (z.B. asso­zi­ierte Konso­li­die­rungs­ein­heiten oder unwe­sent­liche Einheiten, welche nicht einbe­zogen werden müssen).

Die Impli­ka­tionen führen dazu, dass der final reali­sierte Konzer­ner­stel­lungs-Prozess als Hybrid der beiden vorge­stellten Prozesse aufge­fasst werden kann. So wird die Hete­ro­ge­nität der Vorsysteme durch eine Direkt­an­bindung an die S/4HANA In-Memory Datenbank und einen flexiblen Daten-Import angezeigt. Des Weiteren kann die Währungs­um­rechnung für alle Konso­li­die­rungs­ein­heiten direkt aus dem Group Reporting initiiert und die Inter­company (Vor-)Abstimmung direkt mit Hilfe des Ad-hoc Reporting abge­bildet werden.

*Prozess­schritt nur für die Nicht-SAP und Nicht‑S/4HANA Gesell­schaften relevant

Abbildung 3: Hybri­dansatz des Abschlusserstellungsprozesses

Die neue Konso­li­die­rungs­lösung SAP S/4HANA for Group Reporting­bietet neue Gestal­tungs­mög­lich­keiten, unab­hängig davon, ob es sich um eine Voll­in­te­gration oder Teil­in­te­gration der einzelnen Konso­li­die­rungs­ein­heiten handelt. Die zur Auswahl stehenden Möglich­keiten werden von uns detail­liert vorge­stellt und es erfolgt die Unter­stützung des Kunden bei der Entschei­dungs­findung. Anschließend erfolgen die Konzi­pierung und die Imple­men­tierung des gesamten Konzer­ner­stel­lungs­pro­zesses. Wir freuen uns auf einen Austausch zum Thema SAP S/4HANA for Group Reporting und auf Ihre Kontaktaufnahme.